Die Häuser der jüdischen Mitbürger

 

Gabriel Rosenthal

Gabriel Rosenthal (1855-1919) war der Begründer der Eisleber Rosenthal-Familie. Rosenthal wurde 1855 in Bentschen im Landkreis Meseritz in Posen als Sohn des jüdischen Handelsmanns Joseph Rosenthal und dessen Frau Friedericke, geb. Hartmann, geboren. 1879 war er Kaufmann in Berlin und heiratete dort Bertha Wollstein aus Schlesien. Am 17. September 1885 eröffnete er ein Geschäft in Eisleben am Plan 2 und später am Plan 8.


Ihre Kinder waren:

  1. Martin, geb. ca. 1880 vermutlich in Berlin

  2. Siegfried, geb. 1884 in Eisleben – gest. ca. 1937

  3. Ernst, geb. 1885 in Eisleben – gef. 1917 im 1. Weltkrieg

  4. Erich, geb. 1886 in Eisleben – gest. 1944 im KZ Auschwitz

  5. Frida, geb. 1887 in Eisleben – gest. 1942 im KZ Auschwitz

  6. Willy (Zeev), geb. 1889 in Eisleben – gest. vor 1945 im Ghetto Theresienstadt

  7. Namenlos, geb. 1891 in Eisleben gest. 1891 in Eisleben


Das erste Geschäft eröffnete Gabriel Rosenthal am Plan 2 in Eisleben. Am 17. September 1885 annoncierte Gabriel Rosenthal im Eisleber Tageblatt:


Geschäftseröffnung Im Hause des Kaufmanns Theodor Merckell, Plan 2:
„Mit heutigem Tage eröffne ich am hiesigen Platz ein Herren- u. Knaben- Garderoben-Geschäft verbunden mit Anfertigungen hochfeinster Herren und Knaben Garderobe nach Maas. Das Lager fertiger Herren und Knaben Garderobe enthält eine enorme Auswahl aus besten reinwollenen Stoffen in meinen eigenen Werkstätten nach neusten Modellen verarbeiteter Gegenstände. Als Fachmann und langjähriger Erfahrung in dieser Branche ermöglichen mir die Preise ganz enorm billig zu stellen, wie sonst irgend zu beschaffen. Für Anfertigung nach Maas empfehle ich mein außerdentlich grosses Lager bester Fabrikate als: Aachener, Luckenwalder, Brünner, englische und französische Stoffe. Die Anfertigung wird in neusten Jacons unter Garantie des unbedingt tadellosen Sitzens dauerhaft bei solider Preisstellung ausgeführt. Ich empfehle dieses Unternehmen dem Wohlwollen eines geehrten Publikums.

Hochachtungsvoll, Eisleben G. Rosenthal Plan



1899 zog das Geschäft um zum Plan 8. Am 8. April 1899 annoncierte Gabriel Rosenthal im Eisleber Tageblatt:


Geschäftseröffnung
Meiner werten Kundschaft, sowie einem geehrten Publikum von Eisleben und Umgegend die ergebene Anzeige, daß ich Sonnabend, den 8. April, Nachmittag 6 Uhr in meinem Hause Plan Nr. 8 ein Herren-, Knaben-, Garderoben- Geschäft, verbunden mit Anfertigung feiner Herren- und Knabenmode, eröffnen werde. Trotz der billigen Preise, wie aus unten stehendem Preis- Auszug ersichtlich, Zeichnen sich meine Waren durch vorzügliche Haltbarkeit und tadellosen Sitz ganz besonders aus. Auf meine Ausstellung in den Schaufenstern mache ich das geehrte Publikum ganz besonders aufmerksam. Die ersten 1000 Käufer erhalten jeder ein feines Präsent. Indem ich mein Unternehmen einem geneigten Wohlwollen des p. t. Publikums empfehle, zeichne mit vorzüglicher Hochachtung!




Bertha Rosenthal

Bertha Rosenthal, geb. Wollstein, wurde am 2. Oktober 1855 als Tochter des jüdischen Kaufmanns Salomon Wollstein und der Pauline Cohn aus Sommerfeld im Landkreis Frankfurt an der Oder geboren.  1879 heiratete sie Gabriel Rosenthal in Berlin und zog mit ihm nach Eisleben.

geboren. Sie stammte wie ihr Mann aus Unterschlesien. Berta Rosenthal starb am 24. März 1915 im Alter von 59 Jahren. Sie wurde auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Eisleben. begraben.


Sie hatten das Geschäft am Plan 2 und später am Plan 8. 1912 eröffnete sie ihr „Kaufhaus für Gelegenheitseinkäufe“, in der Dr. Lutherstr. 14 in Eisleben.


Bertah starb am 16. März 1915 in Eisleben und wurde auf dem Neuen Jüdischen Friedhof begraben. Ihr Grab ist erhalten.




Siegfried Rosenthal

Siegfried Rosenthal war das zweitälteste Kind von Gabriel und Berta. Er wurde ca. 1884 in Eisleben geboren. Um 1910 heiratete er Selma Schatz und übernahm um 1912 das Geschäft seines Vaters am Plan 8 in Eisleben. 1936 wird er im Eisleber Adressbuch als Eigentümer des Hauses Markt 55 aufgeführt, wo er sein Geschäft hatte. Am 7. August 1937 starb Siegfried im israelitschen Asyl in Köln Ehrenfeld.

Selma konnte in die Schweiz emigrieren und siedelte nach dem Krieg nach Buhlawajo in Rhodesien, wo sie 1953 im Alter von 71 Jahren verstarb.



Ernst Rosenthal

Das drittälteste Kind von Gabriel und Berta war Ernst Rosenthal. Er wurde am 19. Dezember 1885 in  Eisleben geboren. Im ersten Weltkrieg diente er als Assistenzarzt und fiel 1917 in Laon in Frankreich im Alter von  31 Jahren.




erich Rosenthal

Erich Rosenthal, das vierte Kind von Gabriel und Berta, wurde am 17 Mai 1886 in Eisleben geboren. Zunächst führte er das Herrengarderobengeschäft seiner Eltern am Plan 8 in Eisleben weiter.


Um 1924 heiratete er Flori Barnett. 1925 wurde ihre Tochter Margot geboren, die die Mittelschule in Eisleben besuchte.


Erich und Flori übernahmen das „Kaufhaus für Gelegenheitseinkäufe“ in der Lutherstraße 14, das Erichs Mutter Bertha gegründet hatte, und wohnten auch dort.


Im Januar 1939 floh die Familie in die Niederlande. Erich, Flori und die Tochter Margot wohnten in der Courbetstraat 7 in Amsterdam bis 1942. Am 11. März 1943 wurde Erich in das Konzentrationslager Vught-Hertogenbosch gebracht und später in das Sammellager Westerbork. Am 21. April 1943 wurde von dort in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 9. Oktober 1944 brachte man ihn zusammen mit seiner Frau in das Vernichtungslager Auschwitz. Dort wurden beide, sofort nach ihrer Ankunft am 11. Oktober 1944 ermordet. Erich war 58 Jahre alt.




Flora „Flori“ Rosenthal, geb. Barnett

Flori Rosenthal, geb. Barnett, wurde am 29. August 1903 in Breslau geboren. Ihr Vater war Meyer Barnett, geb. 1872 in Breslau. Die Familie wohnte in Freiburg in Schlesien. Meyer floh nach Shanghai und starb dort 1941.

Die Mutter Rosa wurde 1873 in Sandersleben als Tochter des Rabbiners Moritz Blachmann geboren. Meyer und Rosa heirateten 1902 in London. Vermutlich hatte Rosa familiäre Wurzeln in England. Sie starb 1924 in einem Dresdner Krankenhaus.

Flori hatte die Geschwister, Heinz „Enrique“, Kurt und Margaret. Heinz starb 1974 in Montevideo.

Um 1924 heiratete sie Erich Rosenthal und gebar ein Jahr später ihre Tochter Margot. Erich und Flori übernahmen das „Kaufhaus für Gelegenheitseinkäufe“ in der Lutherstraße 14 von Erichs Eltern und wohnten auch dort.

Im Januar 1939 floh die Familie in die Niederlande. Erich, Flori und die Tochter Margot wohnten in der Courbetstraat 7 in Amsterdam bis 1942. Dann wurden Erich und Flori im Lager Westerbork interniert. Am 21. April 1943 wurde Flori von dort in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 9. Oktober 1944 brachte man sie in das Vernichtungslager Auschwitz. Dort wurden beide, sofort nach ihrer Ankunft am 11. Oktober 1944 ermordet. Flori war 41 Jahre alt.




Margot Drach, geb. Rosenthal

Margot Drach, geb. Rosenthal, war die Tochter von Erich und Flori Rosenthal. Sie ist am 23. August 1925 in Eisleben geboren und besuchte die Mittelschule in Eisleben.

1939 ging die Familie in die Emigration in die Niederlande. Margot arbeitete dort im Widerstand. Sie wurde im Juni 1944 verhaftet und in das Lager Westerbork gebracht, von wo sie nach Auschwitz am 3. September 1944 deportiert wurde.


Margot Rosenthal war im selben Transport wie Anne Frank und deren Familie. Im Januar 1944 wurde sie nach Bergen Belsen überführt und im April 1945 wurde sie befreit.


Sie wanderte im  Jahr 1949 nach Israel aus und heiratete Gideon Drach, der mit ihr in der Widerstandsgruppe gewesen war. Sie haben eine Tochter namens Anat, die als Professorin für Psychologie an der Universität Haifa arbeitete. Sie selbst arbeitete u.a.  als Leiterin eines Altersheimes.

Margot Drach ist im April 2017 in einem Altersheim im Alter von 91 Jahren in Haifa gestorben.




Frida Rosenthal

Als fünftes Kind von Gabriel und Berta wurde Frida am 5. Oktober 1887 in Eisleben geboren. Ihr erster Ehemann war Heinrich Ernst Schulze. 1913 wurde ihre Tochter Irmtraut wurde geboren. Ernst Schule ist am 10.12.1918 an seiner Verwundung im Ersten Weltkrieg verstorben.

1939 heiratete Frieda in Eisleben Wilhelm Frey und zog zu ihm nach Leipzig. Sie wurde am  23. Januar 1942 in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert. Anfang Oktober 1942 wurde sie in das KZ Auschwitz gebracht und dort am 9. Oktober 1942 ermordet.



Der Ehemann von Frida Rosenthal, Wilhelm Frey, war in Leipzig Schuhverkäufer und hatte ein eigenes Schuhgeschäft. Geboren wurde er am 24. Februar 1892 in  Pleß, Schlesien.

Er wurde am 23.  Januar 1942 ins KZ Sachsenhausen verschleppt.Ende Oktober 1942 wurde er nach Auschwitz deportiert und am 5. November 1942 dort ermordet.

Stationen vor der Deportation waren die Philipp-Rosenthal-Str. 24 in Leipzig (1939) und nach 1939 das „Judenhaus“ am Nordplatz 7 in Leipzig.


Die Tochter, Traute Frey, später Schultz, ist in den dreißiger Jahren nach Australien ausgewandert. Sie ist dort 1992 gestorben, ihre Kinder, Peter und Evelyn, leben in Australien mit ihren Familien.



Willy (Zeev) Rosenthal

Willy (Zeev) Rosenthal wurde am 25. April 1889 in Eisleben geboren. Er war das sechste Kind von Gabriel und Berta und diente als Soldat im Ersten Weltkrieg. Später heiratete er Frida Rosenthal (geb. Wagner), zog nach  Münsterberg in Schlesien und besaß dort eine Handschuhfabrik und ein Geschäft. Sie hatten zwei Söhne: Gabriel Heinz Rosenthal (später Rosen), der im Jahre  1920 geboren wurde, und Walter Rosenthal, geboren  1923.



Frieda Rosenthal starb im Jahr 1930 und später heiratete Willy Rosenthal Gertrud Brinitzer aus Zittau. Das Eigentum von Willy Rosenthal wurde in den späten 1930-er Jahren "arisiert". Er und seine Frau wurden am 2. Mai 1942 von Breslau nach Lublin ins dortige Getto verbracht und dann nach Auschwitz deportiert.

Willy Rosenthal starb auf dem Todesmarsch von Auschwitz im Januar 1945, wohin er 1942 deportiert worden war




Heinz-Gabriel Rosenthal

Heinz-Gabriel Rosenthal wurde im Jahre 1920 als Sohn von Willi und Frida Rosenthal in Eisleben geboren. Er wanderte schon 1936 nach Palästina aus, kämpfte später in der Jewish Brigade und nach 1948 war er Offizier in der  israelischen Armee. Er lebte in Haifa bis 1981. Seine beiden Töchter, Rolly Rosen und Shlomit Rosen Brailovsky, leben dort mit ihren Familien.



Das Haus Plan Nr. 8 im Jahre 2008





Gabriel Rosenthal






Heiratsurkunde aus dem Standesamt Berlin für Gabriel Rosenthal und Bertha Wollstein, am 27. Juni 1879






Am 17. September 1885 annoncierte Gabriel Rosenthal im Eisleber Tageblatt






das Grab von Bertha Rosenthal, geb. Wollstein, auf dem neuen jüdischen Friedhof






Das Haus von Siegfried Rosenthal mit seinem Geschäft am Markt 55





Erich Rosenthal





Flori Rosenthal, geb. Barnett













Margot Drach, geb. Rosenthal




















































Willy (Zeev) Rosenthal

 

Plan 8

 
 

Der Plan in Eisleben um 1900 mit dem Haus Plan Nr. 8, dem Geschäftshaus der jüdischen Kaufleute Rosenthal